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Versuchsbeipiele

Zur Verdeutlichung der Vorgehensweise und als Hilfe für die Bewertung der Ergebnisse hier noch zwei Beispiele.

»Sortenversuch Winterweizen

»Sortenversuch Winterroggen

Beispiel: Sortenversuch Winterweizen

Öko-Landwirt Meier hat einen On-Farm-Versuch zum Test einer neuen Winterweizensorte angelegt. Er hat einen Acker ausgesucht mit für seinen Betrieb typischer Bodenqualität. Er kennt diesen Acker gut und weiß, dass er einheitliche Bodenverhältnisse hat. Deshalb legte er empfehlungsgemäß ein Experiment mit dem Prüffaktor Sorten in zwei Faktorstufen (neue Sorte, Kontrolle (=betriebsübliche Sorte)) in vier Wiederholungen an. Die Ertragswerte, die er bei der Ernte festgestellt hat, trägt er in eine Tabelle ein und stellt die vorgeschlagenen Berechnungen an.

Wiederholungen Wh 1 Wh 2 Wh 3 Wh 4 s VC
Kontrolle (Standardsorte) 47 dt 46 dt 51 dt 48 dt 48 dt 2,2 dt 4,5 %
neue Sorte 51 dt 52 dt 55 dt 54 dt 53 dt 1,8 dt 3,4 %

Hieran kann er ablesen, dass die neue Sorte hinsichtlich Ertrag im Mittel der alten um 5 dt überlegen ist. Standardabweichung und Variationskoeffizient zeigen an, dass die Streuung der Messwerte innerhalb der einzelnen Varianten im Durchschnitt mit unter 2,2 dt bzw. unter 5 % gering ist und deutlich unter dem Ertragsabstand der beiden Sorten liegt. Bauer Meier schließt aus der geringen Streuung der Messwerte, dass der »Versuchsfehler gering war und dass die ertragliche Überlegenheit der neuen Sorte sich auch auf seinen anderen Flächen zeigen wird.
Um sich die Versuchsergebnisse auch bildlich vorstellen zu können, zeichnet Bauer Meier eine einfache Grafik, in der er die Einzelwerte als Balken einzeichnet und die Mittelwerte als durchgezogene Linien markiert.

Beispielgraph

Beispiel: Sortenversuch Winterroggen

Öko-Landwirt Huber hat ebenfalls einen Praxisversuch zum Test einer neuen Winterroggensorte angelegt. Auch er hat eine Fläche mit einer für seinen Betrieb typischen Bodenqualität. Er weiß aus der Vergangenheit, dass der Acker einige trockne und steinige Stellen hat. Aus Platzgründen legt er jedoch wie Bauer Meier nur vier Wiederholungen an. Er erhält folgende Ertragswerte und Berechnungsergebnisse:

Wiederholungen Wh 1 Wh 2 Wh 3 Wh 4 s VC
Kontrolle (Standardsorte) 42 dt 45 dt 41 dt 48 dt 44 dt 3,2 dt 7,2 %
neue Sorte 46 dt 52 dt 40 dt 50 dt 47 dt 5,3 dt 11,3 %

Landwirt Huber sieht auf den ersten Blick, dass die Streuung der Messwerte im Vergleich zum Mittelwert mit mehr als 11 % recht hoch ist: Während der Ertragsabstand der neuen von der alten Sorte im Mittel nur 3 dt beträgt, ist die durchschnittliche Abweichung vom Mittelwert innerhalb der einzelnen Varianten mit 3,2 und 3,9 dt höher. Bauer Huber weiß aus der Datenanalyse, dass er aufgrund des relativ geringen Ertragsunterschieds zwischen beiden Sorten und der vergleichsweise großen Streuung der Messwerte aus seinem Experiment nicht den Schluss ziehen darf, dass die neue Sorte einen zur bisherigen Sorte verschiedenen Ertrag bringt. Zur Reduzierung der Streuung könnte Bauer Huber entweder die Versuche auf einer Fläche anlegen, die einheitlichere Bodenqualitäten aufweist, oder die Zahl der Wiederholungen erhöhen, z. B. auf sechs.

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Wie an den beiden Beispielen zu erkennen ist, bedürfen die erzielten Ergebnisse einer sorgfältigen Bewertung. Dazu gehört nicht nur das Vergleichen der Ergebnisse. Man sollte sich auch fragen, ob sich vielleicht an der einen oder anderen Stelle Fehler eingeschlichen haben. Dies kann nicht nur bei der Berechnung der einzelnen Werte sondern auch schon bei der Anlage und Durchführung des Versuches der Fall gewesen sein. Besondere Vorsicht bei der Interpretation ist immer dann gegeben, wenn einzelne Werte besonders stark vom Mittelwert bzw. von den anderen Werten abweichen. Starke Abweichungen weisen in der Regel auf Versuchsfehler hin. Wenn es sich bei solchen Fehlern nicht um Irrtümer beim Ausrechnen gehandelt hat, sind Sie nach Abschluss des Versuches nicht mehr zu korrigieren. Die einzige Möglichkeit trotzdem eine aussagekräftige Auswertung zu bekommen, besteht darin, solche fehlerbehafteten Ergebnisse nicht bei der Auswertung zu berücksichtigen.

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Landwirt Moser macht einen Versuch mit zwei Rotkohlsorten (=Faktorstufen), die er in jeweils 5 Wiederholungen auspflanzt. Beim maschinellen Hacken beschädigt er durch zu dichtes Hacken an den Reihen auf einer Parzelle die Kohlpflanzen. Die Pflanzen erholen sich zwar, weichen im Ertrag aber deutlich von den vier anderen Parzellen dieser Sorte ab. Herr Moser lässt die Ertragsergebnisse dieser Parzelle unberücksichtigt und hat daher für die eine Faktorstufe vier und für die andere fünf Ergebniswerte. Er kann dann mit der Auswertung wie oben dargestellt fortfahren, sofern er die unterschiedliche Wertezahl bei der Bildung des Mittelwertes und der Standardabweichung berücksichtigt.
Wichtig: Halten Sie beim Durchführen von Versuchen stets solche Besonderheiten (hier im Beispiel ´zu dichtes Hacken´) in Ihrem Versuchsprotokoll oder Versuchsplan fest.



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